Buchbesprechung

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GENIAL, ABER FAST VERGESSEN

Von Harry Schaack

Julius Mendheim war zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht nur „der einzige namhafte deutsche Schachspieler“, wie die Encyclopaedia Britannica vermerkte, sondern einer der besten der Welt. Doch lange Zeit war von ihm nicht viel mehr als seine beiden veröffentlichten Bücher bekannt. Auch Hans Holländer konnte Ende der 90er Jahre bei seiner Recherche zu Schadows Schachclub, dem ersten Schachverein Deutschlands, nichts über das Leben dieses Mannes herausfinden. Arno Nickel hat nun in seiner im letzten Jahr erschienenen Monographie einiges vom Mysterium dieses ersten bedeutenden Schachmeisters unseres Landes (damals noch Preußen) gelüftet.
       Die Informationslage über Mendheim ist so dürftig, weil es zu jener Zeit noch keine regelmäßig erscheinenden Schachperiodika gab. Mendheim lebte noch vor der „Berliner Schule“ mit ihren berühmten, „Plejaden“ genannten Meistern, über die später von der Lasa ausführlich berichtete. Aber für diesen frühen Chronisten deutscher Schachhistorie gehörte Mendheim zur Vorgeschichte einer neuen, modernen Schachauffassung, für die die Plejaden standen. Mendheim, von dem kein Porträt überliefert ist, war für ihn dagegen ein Mann im Geiste Philidors.
       Nickel hat nach akribischer Suche in Berliner Archiven einiges Neues zum Leben dieses Unbekannten zusammengetragen. Er konnte Dank bislang unentdeckter Dokumente etwa den Todestag klären (25. August 1836) und dass er 55-jährig an „Blasenschwindsucht“ gestorben ist. Geboren wurde Mendheim 1780 oder 1781 in Königsberg, woher seine wohlhabende Kaufmannsfamilie stammte. Studiert hat er wohl u.a. bei Immanuel Kant in Königsberg, bevor er sein Studium abbrach und nach Berlin zog, wo mehrere seiner Geschwister, erfolgreiche Kaufleute, lebten. Vermutlich war Mendheim durch ein Erbe oder als stiller Teilhaber, wie Nickel annimmt, finanziell unabhängig. (...)

Den vollständigen Text der KARL-Rezension gibt's hier als PDF: KARL 1/2019, S.64

 

 

 

 

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Von Harry Schaack


Der Verleger Arno Nickel hat in der Vergangenheit immer wieder liebevoll edierte Werke zur lokalen Schachgeschichte veröffentlicht. Jetzt ist mit Michael Dombrowskys Berliner Schachlegenden ein äußerst lesenswertes Buch über zehn Spieler im Berlin der fünfziger und sechziger Jahre erschienen. Es war die Glanzzeit des Berliner Schachs, die der Autor mit seinen atmosphärisch dichten Schilderungen rund um den Mauerbau wiederauferstehen lässt.

Dombrowskys Porträts, denen jeweils sachkundige Partieanalysen von Helmut Reefschläger angehängt sind, zeichnen sich jenseits hagiographischer Darstellung vor allem durch Authentizität aus. Mit großer journalistischer Fertigkeit gelingen ihm liebevolle Charakterstudien, die seine Helden mit all ihren Schwächen und Eigenheiten zu tiefst menschlich zeigen. Alle vorgestellten Spieler, von denen einige die schachliche Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik geprägt haben, kannte er persönlich.

Berlin in den Sechzigern – das war Tals Uhrenhandicap oder das Match zwischen Berlin und den USA. Berlin in den Sechzigern – das war aber vor allem der allgegenwärtige Kalte Krieg und der Mauerbau, der jede der zehn Biographien beeinflusst hat.
(...)

Zum vollständigen Text geht's hier bei Karlonline...

Rezension von Frank Hoppe:

Als schachgeschichtlich interessierter Mensch fieberte ich solch einem Buch natürlich besonders entgegen, und gerade dann noch wenn darin Protagonisten aus der eigenen Heimatstadt eine große Rolle spielen. Daß sich darunter noch einige lebende Legenden befinden, ist für den weniger historisch Bewanderten vielleicht auch ein Grund, sich in dieses Buch hineinzulesen. Er wird es auf jeden Fall nicht bereuen, denn der Hamburger Journalist Michael Dombrowsky pflegt einen erfrischenden Schreibstil, und bei der Lesung von Verleger Arno Nickel am 24. November 2013 stand den Zuhörern nicht nur einmal ein Schmunzeln im Gesicht. Man merkt, daß der Autor sein Handwerk versteht. (...)

Und weiter auf der Homepage des Deutschen Schachbundes...

Helmut Pfleger zitiert aus den "Berliner Schachlegenden" im ZEIT magazin N°27/2014

Mario Ziegler über "Berliner Luft-Menschen" im Glarean Magazin...

Ausführliche Rezensionen zu diesem außergewöhnlichen Buch erschienen in mehr als einem Dutzend weiterer Publikationen, sowohl in Printmedien als auch im Internet.